Folge 13: Der Kontext-Kniff: So machst du KI-Tools treffsicherer

11.08.2025 | Vom Hype zum Handeln

In Folge 13 von „Vom Hype zum Handeln“ spreche ich mit Chris Polus, Podcast-Trainer und Dozent für Sound-Design mit langjähriger Erfahrung ua. in der Gaming-Industrie.

In der heutigen Podcast-Folge unterhalten wir uns darüber, mit welchen Kniffen man KI-Tools zu besseren Ergebnissen „motivieren“ kann. Manche klingen logisch – manche eher absurd… funktionieren aber!

KI richtig lenken: Warum wir manchmal mit ChatGPT schimpfen sollten

Wir sprechen über den Dauerbrenner: Wie bekomme ich wirklich brauchbare Ergebnisse aus KI-Tools? Die Antwort ist komplexer als gedacht – und manchmal hilft es tatsächlich, mit der KI zu streiten.

Wir beleuchten auch die Grenzen der aktuellen KI-Generationen: Vergesslichkeit in langen Chats, übertriebene Lobhudelei, fehlende emotionale Tiefe. Zudem diskutieren wir den Trugschluss, dass KI kostengünstig Experten ersetzt – und warum menschliche Erfahrung und Sparring für zielgerichtetes Marketing und Content-Produktion weiterhin unersetzlich sind.

Das Problem mit der KI-Lobhudelei

Chris Polus, Podcast-Trainer und Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, kennt das Problem nur zu gut. Bei der Entwicklung seiner Kursmaterialien stieß er auf einen nervigen Aspekt von ChatGPT:

„ChatGPT ist einfach so voll von Lobhudelei. Also es fängt dann wirklich schon an zu nerven, weil jeder Mist, den man selber reingeht, wird dann: ‚Wow, das ist die beste Idee, Chris. Wow, das ist toll. Super hast du das gemacht.'“

Diese übertriebene Höflichkeit führt zu einem grundlegenden Problem: KI-Tools geben uns immer das Gefühl, richtig zu liegen, auch wenn unsere Eingaben schlecht oder unvollständig sind. Das Resultat? Mittelmäßige Outputs, die wie „irgendein Prospekttext“ klingen.

Konkrete Aufgaben statt auf Wunder zu warten

Der erste Schlüssel zu besseren KI-Ergebnissen liegt in der Klarheit der Aufgabenstellung. Boulos‘ Ziel war konkret: bestehende Kursinhalte digitalisieren und dabei seine persönliche Art des Unterrichtens bewahren.

„Meine Aufgabe war, dass ich ja jetzt schon in meiner Tätigkeit an der Zürcher Hochschule der Künste didaktisch Kurse aufgebaut habe und jetzt als Selbständiger wollte ich das wiederholen. Aber die Benefits der KI nutzen, viel Zeit sparen.“

Statt nach „Zauberei für alles“ zu suchen, braucht es präzise Vorgaben. Wer unspezifisch fragt, bekommt „Kraut und Rüben“ – im schlimmsten Fall sogar falsche Informationen.

Der Feedback-Loop: Schritt für Schritt zum Ziel

Chris entwickelte seine Methode für bessere KI-Interaktionen:

  1. Ideensammlung: Zehn Impulse generieren lassen
  2. Selektion: Neun davon verwerfen, sich auf den einen konzentrieren
  3. Iteration: Das Gute zurückgeben mit klaren Vorgaben zu Stil und Länge
  4. Kontinuierliche Anpassung: „So möchte ich gerne weiterarbeiten“

„Das ist so ein Feedback-Loop, der für mich gut funktioniert hat.“ Chris Polus

Diese iterative Herangehensweise funktioniert – zunächst. Doch dann zeigt sich ein weiteres Problem.

Das Vergesslichkeitsproblem der KI

Je länger ein Chat wird, desto schlechter werden paradoxerweise die Ergebnisse. Die KI „vergisst“ vorherige Instruktionen und fällt in ihre Standard-Sprachmuster zurück.

„Es wird immer besser, bis es dann irgendwann wieder schlechter wird. Als würde die KI dann anfangen zu vergessen, was ich ihr als Instruktionen mitgegeben habe.“

Selbst die Memory-Funktion von ChatGPT hilft wenig – sie merkt sich oft belanglose Details statt wichtiger Arbeitsanweisungen.

Manchmal hilft Schimpfen: Emotionale KI-Führung

Hier kommt Polus‘ unkonventionelle Lösung ins Spiel: Er wurde emotional mit der KI. Über die Diktierfunktion ließ er seinem Frust freien Lauf:

„Jetzt reiß dich mal zusammen, streng dich an. Die Texte, die werden immer glatt gebügelt, so will ich das doch nicht, wir hatten das besprochen. Ich hab dir das schon zehnmal gesagt, warum bist du jetzt wieder in diesem alten Modus drin?“

Das Erstaunliche: Es funktionierte. Ob durch Zufall oder Systematik – die KI lieferte wieder bessere, personalisiertere Ergebnisse.

KI als Assistent, nicht als Ersatz

Der entscheidende Denkfehler vieler Nutzer: Sie erwarten von der KI Expertenwissen, das sie selbst nicht haben. Polus‘ Beispiel mit der Mikrofon-Technik zeigt die Gefahr:

„Wenn ich nur so unspezifisch etwas gefragt habe, dann kam tatsächlich wirklich Kraut und Rüben raus. Also, Unwahrheiten, Sachen, die falsch sind, so steckt das USB-Kabel an das XLR-Kabel. Wie soll ich das denn machen? Das geht ja gar nicht.“

Die Lösung: KI als Assistenten betrachten, nicht als Experten-Ersatz.

„Ich würde es so betrachten. KI bezeichnen wir oft als KI-Assistent. Es ist eine Assistenz in etwas, was ich tue. Ich kann dadurch Zeit sparen.“

Die Grenzen der KI-Optimierung

Viele Unternehmen glauben, mit KI Kosten sparen zu können, indem sie Fachaufgaben an interne Mitarbeiter ohne entsprechende Expertise delegieren. Das Ergebnis: Texte, die zwar grammatisch korrekt, aber strategisch wertlos sind.

Die Realität: Auch mit den besten Prompts ist es oft eine „Art Lotterie“, bis man das eine „Goldnugget“ findet. Eine Woche intensiver KI-Arbeit könnte durch ein einziges Expertengespräch ersetzt werden.

Warum Menschen weiterhin gebraucht werden

Marketing und Kommunikation sind fundamentally menschliche Aktivitäten. Sie basieren auf echten Verbindungen zwischen Menschen mit Problemen und Menschen mit Lösungen.

„Wir treten in Kontakt mit Menschen, die haben ein Problem. Wir haben oder glauben, eine Lösung zu haben. Wir sind in der Interaktion. Es ist eine menschliche Verbindung, die dort entsteht.“

KI-generierte Texte bewegen zu 99 Prozent nicht – genau wie KI-Bilder haben sie „keine Seele“. Selbst bei 100.000 generierten Bildern kommen vielleicht fünf wirklich wertvolle heraus.

Fazit: KI richtig einsetzen

Die wichtigsten Erkenntnisse für den erfolgreichen KI-Einsatz:

  • Konkrete Ziele definieren: Wissen, was man erreichen will
  • Iterativ arbeiten: Schritt-für-Schritt-Verbesserung statt Einmal-Abfrage
  • Expertise mitbringen: KI kann nur assistieren, nicht ersetzen
  • Emotional werden: Manchmal hilft klare Kritik mehr als höfliche Bitten
  • Realistische Erwartungen: KI ist ein Werkzeug, kein Wundermittel

„Man kann einen Hammer benutzen, zum Nägel einschlagen, super perfekt, mit einem Hammer eine Schraube rein drehen, geht einfach nicht.“

Die Zukunft gehört nicht denen, die KI blindlings vertrauen, sondern jenen, die sie gezielt und kritisch als das einsetzen, was sie ist: ein mächtiges Werkzeug in den richtigen Händen.

Dieser Artikel basiert auf der Podcast-Folge #13 „Kontext-Kniffe für treffsichere KI Outputs“ von „Vom Hype zum Handeln“ mit Petra Liebl und Chris Polus.

Podcast-Trainer und Sound-Experte Chris Polus

Im Gespräch mit Chris Polus – Podcast-Trainer, Dozent für Sound Design an der Zürcher Hochschule der Künste und Partner für Selbstständige, die Podcasts als Marketingkanal aufbauen wollen – sprechen wir über die Chancen und Stolperfallen beim Einsatz von KI-Tools im kreativen Arbeitsalltag.

Als erfahrener Sound- und Podcast-Spezialist kombiniert Chris technisches Know-how mit einem klaren Blick für Wissenstransfer seiner Inhalte. Er unterstützt einerseits Unternehmer persönlich dabei, ihre Botschaften in Form von authentischen, professionell produzierten Podcasts zu transportieren – und nutzt zur Wissensaufbereitung für seinen Online-Kurs KI gezielt als Werkzeug, aber nicht als Ersatz für menschliche Kreativität.



ÜBER DEN PODCAST

Host in Folge 15 ist Petra, Expertin für digitales Marketing mit KI und langjährige Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Marketing

Mit ihrem digitalen und Marketing-Background geht es für Petra darum, den Blick weg von Tools, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation zu lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen – und dabei den Blick für Chancen aber auch kritisches Denken und Handeln im Umgang mit KI-Tools zu schärfen.

Petra LIEBL Content Bakery
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen.

„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“

Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.

In „Vom Hype zum Handeln“

  • beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
  • teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
  • bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
  • stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor 
  • besprechen wir KI-Entwicklungen

Unser Transformationspodcast „Vom Hype zum Handeln“

  • erscheint 2-wöchentlich und wird um
  • Audio-Bausteine aus dem „KI Kaffee“ und Beiträge zum Themenkreis Wandel und KI ergänzt.

Deine Gastgeberin

  • Petra Liebl – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
    Content Bakery