In der neuesten Folge von „Vom Hype zum Handeln“ spreche ich mit Marco Esposito, Trainer für generative KI und frischgebackener Master-Absolvent in Wirtschaftsinformatik, über die turbulenten Ereignisse des KI-Sommers.
KI-Sommerloch? Von wegen! Datenlecks, neue Modelle und die Verantwortung der Nutzer
KI und der Umgang mit den Daten
Während viele von uns den Sommer im Urlaub verbrachten, lief die Welt der generativen KI auf Hochtouren weiter. Sie bescherte uns wahre Regengüsse an neuen Modellen, tausende neue KI-Agenten und beunruhigende Datenlecks.
Wir diskutieren, warum die Verantwortung für den sicheren Umgang mit KI nicht nur bei den großen Tech-Konzernen liegt und wie einfach es eigentlich ist, den Anschluss nicht zu verlieren.
Ein grosses Thema des Sommers waren die Datenlecks, insbesondere bei ChatGPT. Tausende private Konversationen wurden von Google indexiert und waren plötzlich öffentlich einsehbar. Grund: Weil Nutzer (unwissentlich?) einen „Teilen“-Button geklickt hatten, der einen öffentlichen Link erstellte. Wobei es ausgewiesen war, dass das Link „öffentlich“ werden würde.
Marco Esposito mahnt zum bewussten Umgang und sieht auch Anwender in der Pflicht:
„Man muss ganz ehrlich sagen, das ist schon Eigenverschulden, was hier passiert ist. Denn bei den Klick auf „dieses Gespräch teilen“ gab es einen Disclaimer, dass diese Konversationen öffentlich einsehbar sind. Das ist fahrlässiger Umgang von den Usern – und Unwissenheit schützt hier nicht vor Strafe.“
Für die Medien war dies ein gefundenes Fressen, das gut in das Narrativ der Panikmache passte. Doch sowohl bei ChatGPT als auch bei den umstrittenen Datenpraktiken von Meta (Facebook, Instagram) zeigt sich ein Muster: Nutzer müssen mehr Eigenverantwortung übernehmen. Wer den Plattformen blind vertraut, obwohl deren laxer Umgang mit Daten seit Jahren bekannt ist, ist ein Stück weit selbst schuld.
Digitale Naivität: Warum wir für „kostenlose“ Tools bezahlen
Der Vorfall macht ein grundlegendes Missverständnis deutlich: Viele Nutzer vergessen, dass sie für die Nutzung vermeintlich kostenloser Dienste mit ihren Daten bezahlen. Jede Interaktion in der Cloud findet auf dem Rechner eines anderen statt, und unsere Daten sind die Währung.
Dieses Prinzip ist nicht neu – seit 20 Jahren geben wir auf Social-Media-Plattformen unsere Privatsphäre preis. Die KI-Debatte verstärkt dieses Thema nur und sollte uns allen bewusster machen, wie wichtig digitale Kompetenz ist. Es geht darum, kritisch zu hinterfragen und zu verstehen, was man nutzt – eine Fähigkeit, die laut Marco und Petra immer wichtiger wird und kein technisches Spezialwissen erfordert, sondern lediglich Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, zu lesen und logisch zu denken.
Innovation und Verantwortung: Was Unternehmen jetzt tun müssen
Während bei privaten Daten der Zug schon fast abgefahren scheint, gelten im Unternehmenskontext strengere Regeln. Hier geht es um sensible Firmendaten, und der kommende EU AI Act macht Schulungen für Mitarbeiter, die mit KI arbeiten, seit Februar 2025 verpflichtend.
Unternehmen sollten daher dringend handeln:
1. KI-Richtlinien erstellen: Klare Regeln definieren, welche Daten hochgeladen werden dürfen und welche Tools genutzt werden können. Vorlagen hierfür gibt es zum Beispiel bei der Wirtschaftskammer.
2. Mitarbeiter schulen: Das Bewusstsein für den Umgang mit KI-Tools muss im gesamten Team verankert werden.
3. Ziele definieren: Statt planlos KI-Tools einzusetzen, sollte man gezielt überlegen, welche Prozesse man verbessern möchte.
Einstieg leicht gemacht: Der KI-Zug steht noch am Bahnsteig
Die gute Nachricht ist: Der Einstieg in die Welt der KI ist einfacher als viele denken. Marco Esposito betont, dass es weder vom Alter noch von der Position im Unternehmen abhängt.
„Das Einzige, was man heutzutage braucht, ist eine gewisse Portion Neugier und ca. 10 Stunden für die Basics. […] Der Zug steht noch am Bahnsteig, da kann man noch problemlos einsteigen.“
Die Tools sind intuitiv gestaltet und mit ein wenig Zeitaufwand kann jeder ein solides Grundwissen aufbauen. Dieses Wissen ist entscheidend, um die Fallstricke zu vermeiden, die laut einer MIT-Studie dazu führen, dass 95 % aller KI-Projekte scheitern. Es scheitert nicht an der Technik, sondern an der Implementierung und am fehlenden Know-how der Menschen.
KI bewusst nutzen statt Angst haben
Die wichtigsten Erkenntnisse für den sicheren und erfolgreichen KI-Einsatz:
• Eigenverantwortung übernehmen: Seien Sie sich bewusst, dass „kostenlose“ Tools mit Ihren Daten bezahlt werden.
• Kritisches Denken fördern: Lesen Sie Hinweise und hinterfragen Sie, bevor Sie klicken.
• Rahmenbedingungen schaffen: Unternehmen müssen klare KI-Richtlinien und Schulungen etablieren.
• Neugierig bleiben: Der Einstieg in KI ist mit wenigen Stunden Aufwand für jeden machbar.
• Mensch im Mittelpunkt: KI ist ein Werkzeug, kein Zauberstab. Der Erfolg hängt von den Menschen ab, die es bedienen.
Fazit: KI richtig einsetzen
Die Zukunft gehört denen, die KI nicht blind nutzen, sondern sie bewusst und kritisch als das einsetzen, was sie ist: ein mächtiges Werkzeug in den richtigen Händen.
Gen AI-Trainer Marco Esposito
Marco Esposito ist Trainer für generative KI aus Vorarlberg und setzt sich dafür ein, dass Menschen das notwendige Know-how für den Umgang mit KI aufbauen. In über 100 Workshops teilte er bereits seine praktischen Erfahrungen mit Unternehmen und Einzelpersonen.
Mit seinem kürzlich abgeschlossenen Master in Wirtschaftsinformatik verbindet er akademisches Wissen mit praxisnaher Anwendung.
ÜBER DEN PODCAST
Host in Folge 14 ist Petra. Expertin für digitales Marketing mit KI
Mit ihrem digitalen und Marketing-Background geht es für Petra darum, den Blick weg von Tools, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation zu lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen – und dabei den Blick für Chancen aber auch kritisches Denken und Handeln im Umgang mit KI-Tools zu schärfen.
Petra LIEBL – Content Bakery
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen.
„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“
Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.
In „Vom Hype zum Handeln“ …
- beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
- teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
- bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
- stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor
- besprechen wir KI-Entwicklungen

Unser Transformationspodcast „Vom Hype zum Handeln“
- erscheint 2-wöchentlich und wird um
- Audio-Bausteine aus dem „KI Kaffee“ und Beiträge zum Themenkreis Wandel und KI ergänzt.
Deine Gastgeber
- Petra Liebl – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
- Daniel Knabl – Systemische Beratung und IT-Experte
