In Folge 15 von „Vom Hype zum Handeln“ spreche ich mit Stefan Lassnig, früherer Medien-Manager und heute erfolgreicher Unternehmer und Podcast-Produzent, über seinen Blick auf KI-Anwendungen in der Praxis.
Im Podcast diskutieren wir, warum trotz hoher Akzeptanz die breite Umsetzung von KI noch lückenhaft ist, welche Rolle der Mensch als „Human in the Loop“ spielt und warum Praxisbeispiele der Schlüssel zum Erfolg sind.
Neben der Kluft zwischen KI-Ambitionen und der tatsächlichen Umsetzung in Unternehmen – machen wir auch einen Realitätscheck zu jenen Thesen, die wir Anfang des Jahres in diesem Podcast aufgestellt haben.
These 1: Die entscheidende Frage bei KI-Nutzung ist nicht mehr das Ob, sondern das Wie und Wann.
Keine Frage:
Generative KI ist bei Unternehmen und in der Gessellschaft angekommen. Doch die Umsetzung hinkt hinterher.
Aktuelle Studien (zB der KPMG) zeigen: Über 90 Prozent der deutschen Unternehmen sehen KI als geschäftskritisch an und stocken sogar ihre Budgets auf. Diese Entwicklung bestätigt unsere frühere These: KI ist in der Unternehmenslandschaft angekommen. Doch trotz dieser Erkenntnis klafft eine Lücke zwischen Strategie und Umsetzung.
“ Während fast 70 % der Unternehmen angeben, eine KI-Strategie zu haben, nutzt nur etwa die Hälfte generative KI in der Breite.'“
Diese übertriebene Höflichkeit führt zu einem grundlegenden Problem: KI-Tools geben uns immer das Gefühl, richtig zu liegen, auch wenn unsere Eingaben schlecht oder unvollständig sind. Das Resultat? Mittelmäßige Outputs, die wie „irgendein Prospekttext“ klingen.
Stefan Lassnig beobachtet in der Praxis drei Gruppen von Unternehmer
1. Die Hardcore-Verweigerer: Eine immer kleiner werdende Gruppe, die KI als „Teufelszeug“ abtut oder keine Zeit dafür findet.
2. Die Orientierungslosen: Die größte Gruppe. Sie wissen, dass KI ein wichtiges Thema ist, haben aber keine konkrete Idee für die Umsetzung. Oft probieren sie ein Tool aus, sind vom Ergebnis enttäuscht und wenden sich wieder ab.
3. Die strategischen Anwender: Eine noch kleine Gruppe, die gezielt prüft, welche Tools und Prozesse für sie geeignet sind und damit bereits echte Effizienzgewinne erzielen.
Petra betont: „Es menschelt sehr. Gerade kleine Unternehmen haben hier noch viel Aufholpotenzial.“Die langsame, aber stetige Erkenntnis setzt sich durch: Es braucht klare Strategien und die Einbettung von KI in bestehende Prozesse, um erfolgreich zu sein.
Der Game Changer: Warum der Dialog mit KI alles verändert
Frühere KI-Anwendungen waren „unsichtbar“: Empfehlungsalgorithmen bei Amazon oder Netflix liefen unbemerkt im Hintergrund. Der große Wendepunkt der aktuellen KI-Revolution ist die Verfügbarkeit für jeden – gepaart mit dem dialogische Charakter von Tools wie ChatGPT.
Anstatt komplizierte Befehle oder Code eingeben zu müssen, können Nutzer in normaler Sprache kommunizieren – fast wie in einem Gespräch mit einem Menschen.
Diese intuitive Interaktion senkt die Hemmschwelle erheblich und verändert fundamental, wie wir mit Technologie umgehen. Diese Entwicklung revolutioniert ganze Bereiche, wie zum Beispiel die Google-Suche, die sich von der Ein-Wort-Suche zur dialogischen, gesprochenen Anfrage entwickelt hat. Dies hat wiederum maßgebliche Auswirkungen darauf, wie vor allem kleine Unternehmen im Netz gefunden werden können.
„Ich kenne Leute, die tippen nichts ein, sondern die reden halt ein ins Mikrofon und geben [Min. 13:00] so ihre Fragen und Antworten und Ergänzungen der KI weiter. Das heißt, das ist dann schon fast wie ein Gespräch.“
Stefan Lassnig
Das ist alles sehr beeindruckend, die Ausgaben der KI-Tools sind absolut eloquent. Genau darin liegt das Problem: Wir tendieren dazu, den Ausgaben von KI-Tools zu glauben bzw. zu vertrauen.
Die Grenzen der KI: Plausibilität, Halluzinationen und die Rolle des Menschen
Trotz aller Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen: Das zentralste Problem betrifft die Glaubwürdigkeit der KI-Ergebnisse. Die Modelle sind darauf trainiert, freundlich und gefällig zu sein, was dazu führen kann, dass sie bei Wissenslücken „halluzinieren“ und Fakten erfinden, nur um eine überzeugende Antwort zu liefern.
Stefan Lassnig beschreibt es so: „Die KI will dir gefallen“.
Das macht die menschliche Überprüfung unerlässlich.
Zukünftig wird die Hauptaufgabe von Menschen darin bestehen, KI-generierte Inhalte auf Plausibilität und korrekte Einordnung zu prüfen. Dies erfordert Erfahrung und kritisches Denken – Fähigkeiten, die gerade jüngere Generationen, die mit KI aufwachsen, möglicherweise neu erlernen müssen, da ihnen die „analogen“ Vergleichserfahrungen fehlen.
Praktische Anwendungsbeispiele für KI-Lösungen
• Vollautomatisierte Podcast-Produktion: Das Projekt „Radio Gustav“ liest Polizeimeldungen automatisiert ein, vertont sie und veröffentlicht sie als Podcast-Folge ohne menschliches Eingreifen.
• Effizienz für Content Creator: Der Journalist Christian Nusser nutzt ein Tool, das seinen wöchentlichen Newsletter „Kopfnüsse“ mit seiner geklonten Stimme in nur fünf Minuten als Podcast online stellt. Das spart den Weg ins Studio und die Nachbearbeitung.
• Überwindung von Sprachbarrieren: Mit geklonten Stimmen und Video-Avataren können beispielsweise Bürgermeister ihre Botschaften in verschiedenen Sprachen wie Türkisch oder Serbokroatisch vermitteln, um alle Zielgruppen zu erreichen.
Vom Hype zum Handeln: Strategie ist der Schlüssel
Ein schneller Prompt allein macht einen Prozess nicht effizienter.
Wie schon in den Anfängen der Digitalisierung gilt: Wer einen schlechten Prozess mit KI automatisiert, erhält am Ende einen schlechten automatisierten Prozess.
Unternehmen müssen daher zuerst ihre eigenen Abläufe analysieren und verstehen, bevor sie KI sinnvoll einsetzen können. Die KI sollte dabei wie ein neuer Mitarbeiter betrachtet werden, der in einen gut durchdachten Prozess integriert wird.
Dabei ist es entscheidend, KI als zweckgebundenes Werkzeug zu sehen – wie einen Hammer oder eine Stichsäge.
Es gibt nicht die eine KI, sondern viele spezialisierte Anwendungen. Die Kunst besteht darin, das richtige Tool für den richtigen Zweck zu finden und zu kombinieren
Fazit: KI richtig einsetzen
Die wichtigsten Erkenntnisse für den erfolgreichen KI-Einsatz:
• Strategisch vorgehen: Prozesse analysieren, Ziele definieren und erst dann passende KI-Lösungen auswählen.
• Den Menschen in den Mittelpunkt stellen („Human in the Loop“): Menschliche Expertise zur Steuerung, Qualitätssicherung und Einordnung der Ergebnisse ist unerlässlich.
• Umgang lernen: Die Kompetenz im Umgang mit KI muss in Unternehmen aktiv gefördert werden, denn ohne dieses Wissen können Potenziale kaum gehoben werden.
• Kritisch bleiben: KI-Ergebnisse müssen immer hinterfragt werden, da die Modelle zu gefälligen, aber falschen Antworten neigen.
• Konkrete Anwendungsfälle (Use Cases) schaffen: Praxisbeispiele sind der Schlüssel, damit der Funke überspringt und Unternehmen das Potenzial von KI für sich entdecken.
Die Zukunft gehört nicht den blinden Befürwortern oder den strikten Verweigerern, sondern jenen, die einen differenzierten Blick bewahren und KI gezielt und kritisch als das einsetzen, was sie ist: Ein mächtiges Werkzeug in den richtigen Händen.
Podcast-Folge #15 Vom Hype zum Handeln „Praxischeck KI: Unsere Thesen auf dem Prüfstand“
Interview mit Unternehmer und Medienmanager Dr. Stefan Lassnig
Im Gespräch mit Stefan Lassnig – Unternehmer, Medienmanager und Gründer von Missing Link Media – der über langjährige Digitalexpertise in der Medienbranche verfügt. Er war unter anderem Vorstand der Regionalmedien Austria AG und für die Entstehung der Digitalplattform meinbezirk.at mitverantwortlich. Mit seinem Unternehmen Missing Link Media ruft er seit 2018 erfolgreiche Podcast-Formate ins Leben.
• Zur Website von Missing Link Media
ÜBER DEN PODCAST
Host in Folge 15 ist Petra, Expertin für digitales Marketing mit KI und langjährige Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Marketing
Mit ihrem digitalen und Marketing-Background geht es für Petra darum, den Blick weg von Tools, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation zu lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen – und dabei den Blick für Chancen aber auch kritisches Denken und Handeln im Umgang mit KI-Tools zu schärfen.
Petra LIEBL – Content Bakery
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen.
„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“
Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.
In „Vom Hype zum Handeln“ …
- beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
- teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
- bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
- stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor
- besprechen wir KI-Entwicklungen

Unser Transformationspodcast „Vom Hype zum Handeln“
- erscheint ca. 2-wöchentlich und wird um
- Audio-Bausteine aus dem „KI Kaffee“ und Beiträge zum Themenkreis Wandel und KI ergänzt.
Deine Gastgeberin
- Petra Liebl – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
