Seit dem Durchbruch von Tools wie ChatGPT oder Bildgeneratoren entsteht oft der Eindruck, Inhalte ließen sich heute mit wenigen Prompts auf Knopfdruck erstellen. Dabei braucht es auch beim Content mit KI erstellen, Einiges an Know-How, wenn qualitätvolle Inhalte für dein Unternehmen arbeiten sollen.
In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: KI kann viele Arbeitsschritte beschleunigen und erleichtern – doch guter Content entsteht weiterhin durch Erfahrung, Marktverständnis und strategische Planung.
Im Gespräch mit Manuel Diwosch besprechen wir deshalb, was sich durch KI bei der Contentproduktion verändert hat – und warum wirksame Inhalte weiterhin Marketing Know-How und auch Zeit brauchen, wenn sie zum Ziel führen sollen.
Inhalte mit KI erstellen – Erkenntisse und Tipps aus der Praxis
Wirksames Marketing ist mehr als „irgendwelche“ Inhalte
Seit dem Durchbruch von Tools wie ChatGPT entsteht häufig der Eindruck, dass Inhalte heute praktisch automatisch produziert werden können. Die Realität sieht anders aus, sofern der Anspruch ist, dass diese Inhalte auch wirksam sind.
Gerade im Marketing entscheidet nicht das Tool über die Qualität eines Inhalts, sondern das Wissen über Zielgruppen, Kundenfragen und funktionierende Kampagnen.
KI-Tools dienen dabei als Werkzeuge, die im Marketing-Prozess gezielt eingesetzt werden. Wobei dieser Prozess weiterhin von Experten gestaltet und geführt werden sollte.
Von der Idee zum fertigen Content – KI dient als Helfer bei Teilen der Umsetzung: Gut geführt von Experten.
1.Expertise bleibt der entscheidende Qualitätsfaktor
KI kann Texte formulieren, Bilder generieren oder Videos erstellen. Was ihr jedoch fehlt, ist das jeweilige Kontextwissen aus der Praxis.
KI weiß nicht, welche Kampagnen in deinem/Ihrem Unternehmen in der Vergangenheit funktioniert haben, welche Argumente in Verkaufsgesprächen tatsächlich überzeugen oder welche Fragen Kund:innen vor einer Kaufentscheidung immer wieder stellen. Außer – man gibt diese Informationen auf geeignete Weise hinein.
Übersicht Inhalte aus Folge 25
Wichtig: Genau dieses Wissen ist entscheidend, um wirksame, zielgerichtete Inhalte zu erstellen.
MARKETING beginnt deshalb nicht mit einem Prompt, sondern mit der selben echten Recherche und Fragen, die auch bisher wesentlich für den Erfolg waren: zB Welche Fragen stellen Kund:innen immer wieder, bevor sie kaufen?
Diese Informationen stammen aus Gesprächen mit Kund:innen oder aus Erfahrungen im Vertrieb – also aus sogenannten Primärdaten. Nur wenn solche Erkenntnisse in Idee und Kampagne mit einbezogen werden, können Inhalte entstehen, die die Kunden des Unternehmens ansprechen.
2. Gute KI-Inputs & Outputs brauchen Erfahrung
Der Wunsch an KI-tools bzw. ein KI-Mythos lautet: Ein kurzer Prompt genügt und das perfekte Ergebnis erscheint auf wundersame Weise. In der Realität ist der Prozess zu richtig guten Inhalten deutlich arbeits- und wissensintensiver. Es braucht weit mehr Schritte und Erfahrung.
Gerade bei der Bildgenerierung zeigt sich schnell, dass mehrere Versuche notwendig sind, bis ein Bild wirklich passt. Dieser Prozess wird kann als Prompt Engineering bezeichnet werden bzw. richtet sich entlang eines Experten-Workflows aus, um gute Ergebnisse zu erreichen. Beim Workflow wird ein Custom GPT oder Assistent programmiert, der mehrere Schritte automatisiert durchführt.
Für das Prompt Engineering wird ein Prompt schrittweise angepasst und präzisiert. Beim Bilder generieren sind zB diese Faktoren entscheidend:
das Motiv
die Szene oder Umgebung
Perspektive und Bildausschnitt
Licht und Stimmung
emotionale Wirkung
technische Details wie Format oder Auflösung
Statt eines einzelnen Prompts entsteht das Ergebnis für noch Ungeübte durch mehrere Anpassungen und Experimente.
Auch hier zeigt sich: Erfahrung spielt eine zentrale Rolle. Wer visuelle Kommunikation versteht, kann KI gezielter steuern.
Vom Prompt über den Workflow zum fertigen Ergebnis
Mehrere Prompts sind als Workflow zB in Assistenten integriert. Diese Assistenten liefern ‚automatisch‘ – also ohne zusätzliches Prompting – fertige Ergebnisse für bestimmte Aufgaben.
Ein Beispiel dafür: Der Marketing-Assistent FELIX der Content Bakery.
KI ist kein einheitliches System. Unterschiedliche Tools reagieren unterschiedlich auf Eingaben – und müssen entsprechend unterschiedlich geführt werden.
Gerade bei der Bildgenerierung zeigt sich das deutlich. Manche Systeme benötigen sehr präzise Angaben zu Perspektive, Stil oder Bildkomposition. Andere interpretieren Prompts freier und reagieren stärker auf natürlich formulierte Beschreibungen.
In der Praxis bedeutet das: Wer mit KI arbeitet, lernt mit der Zeit nicht nur zu prompten – sondern auch zu verstehen, wie ein bestimmtes Modell interpretiert und reagiert.
Zielführender ist die Frage: „Welchen Ablauf wiederhole ich ständig?“
Ab dem Moment, in dem man etwas tut, ohne nachzudenken – macht man es zu oft. Und genau das ist ein Hinweis auf Automatisierungspotenzial.
So können etwa verschiedene Bildgeneratoren unterschiedlich auf dieselbe Aufgabenstellung reagieren. Während ein Tool detaillierte technische Angaben erwartet, liefert ein anderes bereits mit einer kurzen Beschreibung brauchbare Ergebnisse.
Mit zunehmender Erfahrung entwickelt man deshalb ein Gefühl dafür,
welches Tool für welchen Zweck geeignet ist
welche Angaben ein Modell wirklich „versteht“
und welche Details das Ergebnis sichtbar verbessern
Diese Erfahrung entsteht weniger durch Theorie als durch Anwendung und Experimentieren.
4. Von Text zu Bild zu Video – der typische KI-Workflow
Im Gespräch wird auch deutlich, dass Inhalte mit KI meist nicht in einem einzigen Schritt entstehen, sondern entlang eines klaren Workflows.
In der Folge sprechen wir über ein Werbevideo für Manuels Agentur, in dem er als Superheld durch Innsbruck fliegt – von der Bergiselschanze bis zum Goldenen Dachl.
Diese Überlegungen und Umsetzungsschritte sind notwendig, um ein professionelles Video zu generieren:
Idee und Konzept entwickeln Welche Botschaft soll vermittelt werden? Welche Szenen werden benötigt?
Storyboard erstellen Für jede Szene wird überlegt, welche Bilder oder Perspektiven notwendig sind.
Bilder generieren Die Bilder entstehen oft erst nach mehreren Versuchen, bis Perspektive, Licht und Darstellung passen.
Videos aus Bildern erstellen Aus den generierten Bildern werden kurze Videosequenzen erzeugt.
Videoschnitt und Nachbearbeitung Szenen werden geschnitten, Ton ergänzt und das Video finalisiert.
KI unterstützt dabei viele einzelne Schritte – ersetzt aber nicht den kreativen Prozess.
5. Der Zeitaufwand hinter KI-Content
Ein verbreiteter Mythos rund um KI lautet: Inhalte lassen sich in wenigen Minuten erstellen. Die Realität sieht differenzierter aus. Am Beispiel des Werbevideos: Dauer ca. 45 Sekunden – hat insgesamt etwa 21 (+) Stunden Produktionszeit benötigt.
Darin enthalten waren unter anderem:
Ideenfindung
Skripterstellung
Bildgenerierung mit vielen Iterationen
Erstellung der Videosequenzen
Schnitt und Tonbearbeitung
KI kann viele Arbeitsschritte beschleunigen. Gleichzeitig entstehen durch neue kreative Möglichkeiten auch zusätzliche Arbeitsschritte.
6. KI erweitert kreative Möglichkeiten
Die Realität liegt daher meist zwischen zwei Extremen: Nicht mehr acht Stunden für eine Aufgabe – aber auch nicht fünf Minuten. Es ist Know-hows notwendig, aber KI eröffnet auch neue Möglichkeiten für Contentproduktion.
Früher hätte ein Werbevideo mit mehreren Drehorten, Spezialeffekten oder Drohnenaufnahmen erhebliche Kosten und organisatorischen Aufwand bedeutet. Mit KI lassen sich viele dieser Ideen heute deutlich einfacher umsetzen.
Was früher nur mit großen Produktionsbudgets möglich gewesen wäre, läßt sich einfacher umsetzen und senkt die Einstiegshürde für kreative Inhalte. KI kann diesen Prozess unterstützen – aber es braucht dennoch viel Wissen und Zeit.
Gleichzeitig bleibt ein zentraler Punkt bestehen: Erfolgreicher Content entsteht weiterhin durch gute Ideen, strategisches Denken und ein Verständnis für Zielgruppen.
Fazit: KI ist ein Werkzeug – ersetzt aber kein Marketing Know-how
KI verändert die Contentproduktion deutlich. Texte, Bilder und Videos lassen sich heute schneller erstellen als noch vor wenigen Jahren.
Doch die eigentliche Qualität entsteht weiterhin dort, wo sie schon immer entstanden ist: in der Kombination aus Erfahrung, Marktverständnis und strategischer Planung.
Oder anders gesagt: Nicht der Prompt entscheidet über den Erfolg – sondern das Wissen und die Führung dahinter.
In Folge 25 spricht Petra LIebl, Expertin für digitales Marketing mit KI mit Manuel Diwosch, Online-Marketing-Experte und Agentur-Inhaber.
Manuel Diwosch ist Online-Marketing-Experte mit rund zwei Jahrzehnten Erfahrung. Mit seiner Agentur Klickbeben hat er ca. bereits 400 Kundinnen und Kunden betreut – von EPUs über mittelständische Betriebe bis hin zu Konzernen.
Seit mehr als zehn Jahren unterrichtet er an Universitäten und Fachhochschulen und hält am WIFI Kurse zu KI im Marketing.
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen. Petra unterrichtet seit ca. 12 Jahren regelmäßig am WIFI zu Social Media und KI, am MCI zu Storytelling und ist als zertifizierte Beraterin für KMU.Digital und systemisches Marketing tätig.
„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“
ÜBER DEN PODCAST
Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen wir tiefer in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.
In „Vom Hype zum Handeln“ …
beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor
besprechen wir KI-Entwicklungen
Unser Transformationspodcast „Vom Hype zum Handeln“
erscheint 2-wöchentlich und wird um
Audio-Bausteine aus dem „KI Kaffee“ und Beiträge zum Themenkreis Wandel und KI ergänzt.
Deine Gastgeber
Petra Liebl – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
Daniel Knabl – Systemische Beratung und IT-Experte