Folge 26: KI im Unternehmen: Kontrolle statt Wildwuchs

6.04.2026 | Vom Hype zum Handeln

Künstliche Intelligenz wird längst im Unternehmensalltag genutzt. KI im Unternehmen verspricht schnelle, pragmatische und manchmal auch sehr effektive Informationen.

Doch während viele Unternehmen seit 2024 über Strategien sprechen, zeigt die Realität ein anderes Bild: KI im Unternehmen wird breit genutzt – ob geregelt oder nicht.

Gerade in kleinen Unternehmen, bei EPUs, Beratern oder Coaches entsteht so ein Nebeneinander aus Tools, Anwendungen und spontanen Lösungen – ein Stückwerk, das zwar funktioniert, aber selten durchgängig gedacht ist. 

Die entscheidende Frage ist daher 2026 nicht mehr: Sollen wir KI einsetzen?

Sondern: Haben wir sie überhaupt im Griff?


KI ist längst da – aber oft nicht gesteuert

Ein zentrales Thema der Folge: Während auf Management-Ebene noch Strategien entstehen, wird KI im Alltag längst genutzt.

Mitarbeitende schreiben Texte mit ChatGPT, recherchieren mit KI oder erstellen Inhalte – oft ohne klare Vorgaben, ohne Freigabe und ohne ein gemeinsames Verständnis darüber, was erlaubt ist.

Das führt zu einem neuen Spannungsfeld:

👉 Nicht mehr zwischen Hype und Umsetzung
👉 sondern zwischen Nutzung als Wildwuchs und Kontrolle

1. Problem: Fehlende Kompetenz

Was dabei schnell klar wird: Das Problem ist nicht die Technologie.

Sondern die Frage, ob Unternehmen überhaupt in der Lage sind, sie sinnvoll einzusetzen.

Denn dafür braucht es zwei Dinge:

  • Führung, die klare Leitplanken vorgibt
  • Mitarbeitende, die verstehen, was sie tun

Und genau hier stehen viele Unternehmen aktuell.

Zwischen:

  • Unsicherheit („Darf ich das überhaupt?“)
  • Pragmatismus („Ich mach’s einfach“)
  • und Intransparenz („Ich nutze es – aber sage es nicht“)

Unabhängig vom AI Act Unternehmen (der seit Feb. 2025 vorschreibt, Mitarbeitenden grundlegende KI-Kompetenzen zu vermitteln) zeigt sich: KOMPETENZ ist und bleibt der Schlüssel.


2. Ohne Datenverständnis – kein sinnvoller KIEinsatz

Ein besonders wichtiger Punkt aus dem Gespräch, das Clemens Handl betont ist:

Wer KI einsetzen will, muss zuerst verstehen, welche Daten im Unternehmen überhaupt vorhanden sind.

Das klingt banal – ist es aber nicht.

Denn viele Unternehmen wissen nicht genau:

  • welche Daten sie nutzen
  • wofür sie verwendet werden
  • und welche davon kritisch sind

Genau hier zeigt sich:

👉 Datenschutz ist keine Schikane
👉 sondern oft die Grundlage für sinnvolle KI-Nutzung.

Und: Shadow AI entsteht nicht durch Böswilligkeit – sondern durch fehlende Schulung und fehlende Kommunikation.


3. Warum „EINFACH“ Erfolg verspricht

Wie beim Sport oder Lauf-Training ein einfaches Training bzw. ein kurzer Lauf vor den längeren kommt, um Technik zu erlernen und Kondition aufzubauen – so verhält es sich eben auch bei KI-Projekten.

Wenn Unternehmen versuchen, KI von oben herab zu planen – mit Strategien, Konzepten und großen Zielbildern, dann geht das oft schief bzw. bleibt das Projekt auf halber Strecke stecken.

Das Problem: Die Realität ist schneller.
Und Komplexität ist der größte Hemmschuh für’s „Laufen“-Lernen.

Deshalb lautet eine zentrale Empfehlung:

👉 Nicht alles auf einmal lösen
👉 sondern klein anfangen

Zum Beispiel mit:

  • einfachen, häufigen Aufgaben
  • unkritischen Daten
  • klaren, überschaubaren Use Cases

So entsteht Schritt für Schritt Verständnis, Vertrauen – und echte Kompetenz.


4. Hilfreiche KI-Leitlinien

Ein Thema, das oft missverstanden wird: Die KI-Richtlinie.

Viele sehen darin ein Regelwerk, das Innovation einschränkt.

In der Praxis zeigt sich aber das Gegenteil:

👉 Ohne klare Leitplanken entsteht Unsicherheit
👉 und daraus entsteht Wildwuchs

Eine gute KI-Richtlinie schafft daher nicht Einschränkung, sondern Orientierung.

Wichtig dabei:

  • Nicht abstrakt formulieren („Gesetze einhalten“),
    sondern konkret:
  • Welche Anwendungen sind sinnvoll – und welche nicht?
  • Welche Tools sind erlaubt?
  • Welche Daten dürfen verwendet werden?

5. Leitlinien bedeuten Kontrolle

Die Herausforderung liegt nicht mehr darin, KI einzuführen – sondern darin, Daten und künstliche Intelligenz sinnvoll zu gestalten..

Das bedeutet:

👉 verstehen, welche Daten wofür benötigt werden
👉 Ziel setzen, das man durch KI Einsatz erreichen möchte und
👉 KI Richtlinien als Leitplanken nutzen

Und Kompetenzen vermitteln, damit mithilfe von Richtlinien die Frage:

Haben wir KI im Griff – oder passiert sie einfach? Klar mit: „Wir haben das geregelt und wissen, was wir tun!“ beantwortet werden kann.

6. Starten mit WKO Guidelines

Diese Leitlinien sind kein starres Regelwerk – sondern ein sehr guter Einstiegspunkt. Gerade für kleinere Unternehmen helfen sie dabei, erste Klarheit zu schaffen und den eigenen KI-Einsatz bewusster zu gestalten.

Eine gute erste Orientierung bieten auch die Leitlinien der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Sie zeigen sehr praxisnah, wie Unternehmen den Einsatz von KI strukturieren können – ohne ihn unnötig zu verkomplizieren.

Der Fokus liegt dabei auf einfachen, umsetzbaren Fragen wie:

  • Welche Tools dürfen im Unternehmen verwendet werden?
  • Für welche Zwecke ist der Einsatz sinnvoll und erlaubt?
  • Welche Daten dürfen verarbeitet werden – und welche nicht?
  • Wie wird sichergestellt, dass keine automatisierten Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle getroffen werden?

Besonders hilfreich:
Die WKO empfiehlt konkrete Do’s und Don’ts statt abstrakter Regeln – genau das, was im Alltag Orientierung schafft.

👉 Zu den KI-Guidelines der WKO: https://www.wko.at/digitalisierung/ki-guidelines-fuer-kmu

👉 Genereller Überblick zum Thema KI in Unternehmen (WKO): https://www.wko.at/ki



Wer Mitarbeitende befähigt, Orientierung gibt und realistische Use Cases wählt, setzt KI nicht nur ein – sondern etabliert sie nachhaltig.

„Die entscheidende Frage ist nicht, ob ich KI einsetze – sondern: Welche Daten habe ich eigentlich und wofür nutze ich sie?“
Rechtsanwalt Mag. Clemens Handl, LLM

Takeaways für die Praxis

1) KI ist längst im Einsatz – aber oft ohne Kontrolle
📌 Das größte Problem ist nicht die Nutzung, sondern fehlender Überblick: Wer nutzt was – und wofür?


2) Nicht die Technologie ist die Hürde – sondern fehlende Kompetenz
📌 Unternehmen scheitern selten an KI selbst, sondern daran, dass Wissen, Verantwortung und Leitplanken fehlen.


3) Ohne Datenverständnis keine sinnvolle KI-Nutzung
📌 Wer nicht weiß, welche Daten im Unternehmen vorhanden sind und wie sie genutzt werden, kann KI nicht gezielt einsetzen.


4) „Einfach machen“ ersetzt keine Struktur – aber ist ein guter Start
📌 Statt Masterplan: Mit kleinen, unkritischen Use Cases beginnen und schrittweise lernen.


5) Automatisierung vor KI denken
📌 Viele Probleme lassen sich mit einfachen Workflows lösen – KI sollte nur dort eingesetzt werden, wo sie echten Mehrwert bringt.


6) KI-Richtlinien sind kein Verbot – sondern Enablement
📌 Klare, konkrete Do’s & Don’ts schaffen Sicherheit und ermöglichen überhaupt erst einen sinnvollen Einsatz.


7) Schatten-KI ist ein Symptom – kein Fehlverhalten
📌 Wenn offizielle Lösungen fehlen oder unpraktisch sind, weichen Mitarbeitende aus – gute Prozesse verhindern das.


8) Weniger Tools, mehr Klarheit
📌 Zentrale, gut konfigurierte Systeme sind effektiver als viele parallele Einzellösungen.


9) KI-Kompetenz ist keine Schulung – sondern ein Prozess
📌 Entscheidend ist kontinuierliches Lernen entlang konkreter Anwendungsfälle – nicht einmalige Trainings.


10) Die entscheidende Frage ist nicht „Dürfen wir das?“
📌 Sondern: „Wie machen wir es richtig?“

Clemens Handl, Rechtsanwalt & Experte für IT-, Datenschutz- und KI-Recht

Mag. Clemens Handl, LLM. ist Rechtsanwalt und Partner bei CHG und beschäftigt sich seit vielen Jahren genau mit den Fragen, vor denen heute viele Unternehmen stehen: Wie lassen sich Digitalisierung und KI sinnvoll, praktikabel und rechtssicher umsetzen? 

Er arbeitet an der Schnittstelle von Technologie, Daten und Unternehmenspraxis – und begleitet Unternehmen dabei, aus Unsicherheit und Datenfragen klare, funktionierende Lösungen zu machen.

👉 Zur Website von Rechtsanwalt Clemens Handl:
https://www.chg.at/profile/clemens-handl/



ÜBER DEN PODCAST

Host in Folge 26 ist Petra. Expertin für digitales Marketing mit KI

Mit ihrem digitalen und Marketing-Background geht es für Petra darum, den Blick weg von Tools, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation zu lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen – und dabei den Blick für Chancen aber auch kritisches Denken und Handeln im Umgang mit KI-Tools zu schärfen.

Petra LIEBL Content Bakery
Als erfahrene Onlineexpertin und zertifizierte Digitalberaterin verbindet Petra Strategie, digitales Marketing und KI zu wirkungsvollen Online-Lösungen für Unternehmer:innen.
👉🏼 www.contentbakery.at  info@contentbakery.at

„Wir wollen den Blick weg von Technik, hin zum zentralen Erfolgsfaktor für digitale Transformation lenken: Dem aktiven Gestalten von und für Menschen in Organisationen.“

Im Podcast Vom Hype zum Handeln“ tauchen in einzelne Aspekte ein, lassen Experten zu Wort kommen und stellen praktische Beispiele aus der Unternehmenspraxis vor. Dabei werden sowohl erfolgreiche Implementierungen als auch Lernerfahrungen aus weniger erfolgreichen Versuchen geteilt, um Unternehmen den Weg in die KI-gestützte Zukunft zu erleichtern.

In „Vom Hype zum Handeln“

  • beleuchten wir verschiedene Anwendungsfelder
  • teilen wir eigene Erfahrungen und Insights
  • bieten wir Experteninterviews mit Praktikern
  • stellen wir konkrete Implementierungsbeispiele vor 
  • besprechen wir KI-Entwicklungen

Unser Transformationspodcast „Vom Hype zum Handeln“

  • erscheint 2-wöchentlich und wird um
  • Audio-Bausteine aus dem „KI Kaffee“ und Beiträge zum Themenkreis Wandel und KI ergänzt.

Deine Gastgeber

  • Petra Liebl – Marketing-Beratung und Digitalisierungsexpertin
  • Daniel Knabl – Systemische Beratung und IT-Experte